Güter vor Feuchtigkeit und Stößen schützen

Wetter-fester Brückenschlag
Effiziente Transport- und Umschlagslogistik lässt sich nur bedingt standardisieren. Von Standards kommend können aber bei frühzeitiger Abstimmung auf hohem Leistungsniveau kostenoptimierte Lösungen entwickelt werden, zeigte die Kooperation von Hermes und Novoferm beim Bau des Logistikzentrums Hückelhoven.
Über 300 Millionen Sendungen wickelte die Hermes Logistik Gruppe Deutschland (HLGD) im Geschäftsjahr 2010/2011 ab, versendet in mehr als 20 Länder Europas. Damit diese Sendungen nicht nur „gut ankommen“ – wie´s im Firmen-Claim griffig heißt –, sondern der Transportprozess auch auf der Strecke zwischen Versender und Empfänger ebenso wirtschaftlich wie reibungslos abläuft, hat die HLGD bundesweit ein Netz an Hauptumschlagbasen aufgebaut. Eine dieser Hauptumschlagbasen entstand 2007 nach rund einjähriger Bauzeit für den Vertriebsbereich West in Hückelhoven/NRW. Die Eckdaten: ein Jahr Bauzeit, 34 Mio. Euro Investitionssumme, 12.000 m² Fläche und ein Umschlagsvolumen von 50 Mio. Sendungen pro Jahr.
50 Millionen Sendungen – um diese Größenordnung wirtschaftlich zu bewältigen, stattete die HLGD die Hauptumschlagsbasis beispielsweise erstmalig mit einer geeichten Volumenmessung der Sendungen auf dem fahrenden Sorter aus. So kann präzise die notwendige Transportkapazität ermittelt werden, was wiederum optimierte Fahrzeugauslastungen und Routenplanungen ermöglicht. Ähnlich zielorientiert waren die Vorgaben, die an die zentrale Schnittstelle jeder Transportkette – die Umladung der Sendung aus dem Distributionszentrum in einen Lkw bzw. einen Wechselaufbau – gestellt wurden: Robust und flexibel sollten die insgesamt 114 Andockplätze der Hückelhovener Hauptumschlagsbasis sein, darüber hinaus vor allem zuverlässig wetter- und winddicht.
Flexible Standards
Gemeinsam mit Novoferm, einem der führenden europäischen Systemanbieter für Industrietore und Verladetechnik, wurde daher bereits in der Planungsphase des Neubaus ein Konzept entwickelt, um diese Anforderungen sehr kostenbewusst, zugleich aber auch so hochwertig und langlebig wie möglich zu realisieren. Diese frühzeitige Einbindung war eine entscheidende Voraussetzung für die anschließende reibungslose Umsetzung: Analog zum Baufortschritt mussten insgesamt 117 Sektionaltore vom Typ Thermo 45 sowie 114 elektro-hydraulische Überladebrücken mit Vorschublippe vom Typ NLT-2 just-in-time angeliefert und montiert werden. Hilfreich war dabei neben der weitgehenden Standardisierung der Torlösungen auf der einen Seite – bei 114 Sektionaltoren auf das Maß 2.800 x 3.000 mm, bei 112 Überladebrücken auf das Maß 2.000 x 2.000 mm – ausgerechnet die gleichzeitig notwendige Flexibilität des Herstellers auf der anderen. So konnten zum Beispiel aus jeweils demselben Produktprogramm passende Verladetore in Übergröße (4.000 x 4.200 mm bzw. 6.000 x 4.200 mm) ebenso serienmäßig beigestellt werden wie zwei Überladebrücken in der Jumbo-Größe 4.000 x 2.000 mm.
Vergleichbar stellte sich die Situation bei den Antrieben dar: Ob handbetätigt mit Doppelfeder-Aggregaten für die leichte Bedienung oder identische Tore mit elektrischen Antrieben – die abgestimmten Novoferm-Systeme erlaubten gewissermaßen „serienmäßige Individualität“ bis hin zur gegenseitigen Verriegelung der elektrisch betriebenen Sektionaltore mit den Ladebrücken mittels Lichttaster. Die Bedienung von Tor und Ladebrücke ist damit an Aggregatszustände gebunden. So wird die Ladebrücke erst freigegeben, wenn das Tor vollständig geöffnet ist – ein maßgeblicher Sicherheitsaspekt für die Mitarbeiter des Logistikzentrums und zugleich ein Schutz vor Beschädigungen der Rampe durch Fehlbedienung.
Modulare Steuerung: Novo I-Vision
Mit der modular aufgebauten Steuerungseinheit Novo I-Vision präsentierte Novoferm zudem unlängst eine neue, einheitliche Steuerung für verschiedene Komponenten. Je nach Ausführung können so Kombinationen von Tor und Ladebrücke zentral über einen Steuerungskasten gesteuert werden. Über Standardschnittstellen besteht zudem die Möglichkeit der Vernetzung oder der Erweiterung mit Plug and Play-Modulen, eine Infrarot-Schnittstelle für ein Servicetool wurde gleichfalls integriert. Abhängig von den hinterlegten Komponenten und Funktionen zeigt ein LED-Feld mit einheitlicher Menüführung die jeweils möglichen Bedienoptionen an. Statt unterschiedlichster Schaltkästen, Taster oder Knöpfe zur Bedienung von Toren, Überladebrücken oder Beleuchtung mit einer entsprechend hohen Gefahr von Verwechselungen oder Bedienfehlern, bietet Novoferm mit der Novo I-Vision ein zukunftsfähiges Steuerungssystem, das zu deutlich mehr Bediensicherheit, -schnelligkeit und -komfort beiträgt.
„Unkaputtbare“ Stahlpuffer
Zum Schutz der Verladerampen vor Beschädigung tragen gleichfalls die von Novoferm speziell für den Gebäudeschutz entwickelten Stahlpuffer bei, die an allen 114 Verladerampen der Hauptumschlagsbasis in Hückelhoven montiert sind. Im Gegensatz zu herkömmlichen Gummipuffern fangen sie dank ihrer innen liegenden Gummikerne und der zweischaligen Bauweise die Stöße andockender Lastwagen zuverlässig ab. Die teilweise ganz beträchtlichen Kräfte (bei einer Anprallgeschwindigkeit von 5 km/h rund 20 to) werden auf diese Weise weitestgehend absorbiert, also kostspielige Beschädigungen an Fundament oder Gebäude vermieden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Rampenpuffern aus Gummi oder Sekundärkautschuk sind die patentierten Stahlpuffer mit einer inneren Kraftaufnahme von bis zu 180 kN zudem „unkaputtbar“; die Investitionsmehrkosten haben sich also binnen weniger Monate amortisiert.
Konstruktiver Werterhalt
Indirekt auch dem Werterhalt des Gebäudes, noch mehr aber dem Funktionserhalt der aufwändigen Innenausstattung des Logistikzentrums kommt die von Novoferm eigens für die HLGD entwickelte Torabdichtung zugute. Sämtliche Verladestellen wurden so mit einer Hubdachautomatik und einer zusätzliche separaten Kopfschürze ausgestattet. In Verbindung mit den Seitenteilen mit Spezialschaumkern ist damit gewährleistet, dass selbst schräg oder versetzt andockende Fahrzeuge keine Schäden anrichten, zugleich aber immer ein Höchstmaß an Wetterschutz besteht.
Der Hintergrund: Sowohl die im Gebäude installierte, computergesteuerte Sortertechnik als auch das teilweise hochsensible Verladegut müssen definitiv vor Feuchtigkeitseinfluss geschützt werden. Mit den üblicherweise montierten Planen-Torabdichtungen ist dieser geforderte Schutz insbesondere bei Winddruck oder Schlagwetter hingegen nicht gegeben. Hinzu kommt eine gewisse Energieeinsparung durch die eng anliegenden Tor-Abdichtungen bei vorstehenden Lkw oder Wechselaufbauten sowie die Verringerung des Zugrisikos für die im Ladebereich tätigen Mitarbeiter.
Entsprechend hat Novoferm im Übrigen die aus dem Hückelhovener Großprojekt gewonnenen Erfahrungen auch in die Weiterentwicklung des Programms an Verladekomponenten einfließen lassen: mit der neuen Torabdichtung „NovoSeal S420“. Über den eindrückbaren Aluminiumrahmen mit Gelenkarmen aus feuerverzinktem Stahl hinaus verfügt diese Torabdichtung über eine flexible Dachkonstruktion mit innen liegendem Regenwasserablauf. Das heißt: die Torabdichtung passt sich flexibel und stabil der Höhe der andockenden Lastwagen an – ohne aber bei Regen und schräger Dachfläche das Halleninnere mit einem Wasserschwall zu fluten.
Mit der ebenfalls neuen Überladebrücke NovoDock L500 wurde gleichzeitig eine hoch interessante Alternative für Logistikzentren vorgestellt, in denen – wie in der Hückelhovener HUB – häufig stoß- und schlagempfindliche Güter verladen werden: In robuster Bauweise mit selbsttragendem Rahmen ist sie zum einen mit zwei hydraulischen Hub- und einem Vorschubzylindern ausgestattet.
Entscheidender aber ist die Konstruktion des rollengelagerten Vorschubs: Bei voll ausgefahrenem Vorschub schließt das Plateau der Überladebrücke höhenbündig mit dem Vorschub ab, so dass ein schwellenloser Übergang zwischen Plateau und Vorschub gegeben ist. Gerade empfindliche Waren können so nahezu stoßfrei mit dem Gabelstapler oder einem Hubwagen über die Überladebrücke auf die Ladefläche des Lkw verladen werden.

In enger Zusammenarbeit entwickelten die Hermes Logistik Gruppe und Novoferm für die neue Hauptumschlagbasis (HUB) Hückelhoven ein 114 Andockstationen umfassendes Verladekonzept – bis hin zur Farbgestaltung der Tore in der Hermes-Hausfarbe.
(c) Fotos: Novoferm

Stahllamellen der Sektionaltore der HUB haben einen HFCKW-freien Hartschaumkern, so dass die Tore neben Einbruchhemmung und Beständigkeit gegen Windlast zugleich einen gewissen Beitrag zur Energieeinsparung leisten.

Für stoßfreies Verladen: Die neue Überladebrücke NovoDock L500 bietet einen schwellenlosen Übergang zwischen Plateau und voll ausgefahrenem Vorschub, den die Fahrer von Staplern und Hubwagen zu schätzen wissen.

Die modulare Steuerung Novo I-Vision steuert je nach Ausführung Kombinationen von Tor und Ladebrücke zentral und komfortabel über einen einheitlichen Steuerungskasten.

In der Höhe variabel montierbar und dank ihrer Baugröße für jeden Lkw passend fangen die zweischaligen, patentierten Stahlpuffer die Stöße andockender Lastwagen wirkungsvoll ab.

Die individuell für die HLG spezifizierten Torabdichtungen mit Hubdachautomatik und speziellen Kopf- und Seitenteilen sind auch bei versetzt andockenden Lkw unterschiedlichster Größe absolut regen- und winddicht.




